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Wenn Glück nicht glücklich macht....
16.05.2019, 09:40
Beitrag: #1
Wenn Glück nicht glücklich macht....
Hedonistische Tretmühle: Wenn Glück nicht glücklich macht

Von
Eva Grossert


Warum ist es so verdammt schwer, dauerhaft glücklich zu sein? Wissenschaftler kennen die Antwort - sie sprechen vom Phänomen der Hedonistischen Tretmühle.



Der Mensch strebt in seinem Leben nach Glück. Jeder hat sich wohl schon einmal ausgemalt, was er mit einem Lottogewinn alles anstellen würde. Den ungeliebten Job kündigen, ein schickes Auto anschaffen, das Haus abbezahlen, eine Weltreise ... Endlich sorgenfrei und glücklich sein.

Mit dem Glücksgefühl ist es allerdings so eine Sache: Es ist kein Dauerzustand. Nach Erfolgserlebnissen pendelt es sich nach einiger Zeit wieder auf Normalniveau ein.

Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen "hedonistische Anpassung" oder "hedonistische Tretmühle". Ein Gewöhnungseffekt also, der nach positiven, aber auch nach negativen Ereignissen eintritt.
Mehr macht nicht glücklicher

Eine Studie amerikanischer Psychologen im Jahr 1978 ergab beispielsweise, dass Lottogewinner nach rund einem Jahr nicht glücklicher waren als Vergleichspersonen. Diese Erkenntnis ist seitdem mehrfach bestätigt worden. Trotz eines positiven Ereignisses, das uns mit Hochgefühlen belohnte, kehren wir bald wieder zu unserem emotionalen Normalzustand zurück.

Wir gewöhnen uns rasch an die Dinge oder neuen Lebensumstände, die uns glücklich machen, so schön sie auch sein mögen. Dies führt dazu, dass die jeweilige Situation als Standard aufgefasst wird und bringt wiederum neue Erwartungen und Wünsche zum Vorschein. Und schon sitzen wir fest in der Glücksfalle, der hedonistischen Tretmühle.
Die Evolution steht dem Glück im Weg

Die Wissenschaft erklärt den Effekt damit, dass der Mensch aus Evolutionsgründen nicht dafür bestimmt ist, dauerhafte Hochs oder Tiefs zu erleben. Denn wer nicht schnell wieder klar sieht und auf den Boden der Tatsachen zurückfindet, übersieht am Ende die lauernden Gefahren.

Auch sagt die Hirnforschung, dass unser Gehirn darauf getrimmt ist, eher Unangenehmes denn Angenehmes wahrzunehmen. Der Steinzeitmensch musste zum Überleben sich vor allem das Negative einprägen, um potenzielle Risiken zu bannen. Demnach eine sinnvolle Überlebensstrategie.

Der Begriff der Hedonistischen Tretmühle hat sich in der Psychologie, insbesondere der Glücksforschung, etabliert. Er leitet sich aus dem altgriechischen Wort ἡδονή (hedone) ab, was so viel wie Freude, Vergnügen, Lust, Genuss und sinnliche Begierde bedeutet.

Eine Tretmühle hingegen ist ein Antrieb für Mühlen und Hebe-Vorrichtungen. Sie arbeitet nach dem Prinzip der Kraftwandlung (Wellrad) und nutzt die Körperkraft von Menschen oder Tieren. Gegenwärtig wird das Wort Tretmühle im übertragenen Sinne für eine monotone Tätigkeit oder Tagesablauf benutzt.

Der schon früher verwendete Begriff wurde durch den britischen Psychologen Michael Eysenck zur hedonistischen Tretmühlen-Theorie modifiziert, die das Streben nach Glück mit einer Tretmühle vergleicht, das heißt, der Betroffene arbeitet am Vorankommen und bleibt doch am selben Platz.
Das Glücksgefühl liegt in den Genen

Einschneidende Lebensereignisse haben demnach einen geringeren Einfluss auf unser Glück als wir annehmen. Wie wir Glück empfinden, hängt zu einem großen Teil von unseren Genen ab und lässt sich nur geringfügig und dann auch nur kurzfristig durch äußere Umstände verändern.

Laut der kalifornischen Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky lassen sich durch unsere Einstellung und Verhaltensweisen rund 40 Prozent der Unterschiede im Glücksempfinden verschiedener Menschen erklären, während genetische Einflüsse diese zu 50% und Lebensereignisse nur zu rund zehn Prozent definieren.
Wege aus der Hedonistischen Tretmühle

Bedeutet das, dass unser Glücksniveau bereits feststeht und all unsere Bemühungen glücklicher zu werden, umsonst sind? Nicht ganz, glaubt man dem 40-Prozent-Anteil an Selbstbestimmung von Sonja Lyubomirsky.

Demnach können wir unser Glücksempfinden durch aktive Handlungen unsererseits und durch unser eigenes Denken und Tun lenken. Beispielsweise freundlicher sein, optimistischer sein, selbstbestimmte Ziele zu verfolgen, genügsamer sein oder bewusster zu leben und weniger nach den Erfolgen anderer zu schielen macht nachweislich glücklicher.

Länger anhaltende Glücksgefühle erreicht man darüber hinaus durch das Zusammensein mit geliebten Menschen. Denn Glück rührt auch von den Erlebnissen mit anderen her, wenn diese als positiv empfunden werden.
Der Kardinalfehler: "Früher war alles besser"

Ein Kardinalfehler, der uns immer wieder in die Tretmühle zurückbefördert, ist laut Psychologie die falsche Perspektive, der sogenannte Rückschaufehler: "Früher war alles besser". Ständiges Zurückschauen auf das, was einmal war, macht unzufrieden. Das Leben findet im Hier und Jetzt statt.

Und das Beste zum Schluss: An zielstrebige, selbst erarbeitete Erfolge gewöhnen wir uns weniger schnell als an einen unerwarteten Glücksfall wie zum Beispiel einen Lottogewinn.

So können wir unser Glück auf diese Weise nachhaltig steigern. Dennoch muss ein jeder seinen eigenen Weg zur mehr Zufriedenheit finden.

Verwendete Quellen

Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.Sonya Lyubomirsky : "Why are some people happier than others” und "Pursuing happiness”Studie Brickman, Coates, Janoff-Bulman: Lottery Winners and Accident Victims - Is Happiness Relative?Binswanger, Mathias: Die Tretmühlen des Glücks. Wir haben immer mehr und werden nicht glücklicher. Was können wir tun? Verlag Herder, Freiburg i. Br. 2006.Eysenck, M. W. (1990). Happiness: Facts and Myths

"Nichts ist so schlecht, dass nicht auch etwas Gutes bei heraus kommt"
(von ??? bzw. einem guten Freund)

"Es wird alles immer gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht." H.Hesse
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 Danke sagen: Maroe , Chaos , Dipama , rainy , Toasty , galadriel , Biggi
16.05.2019, 17:15
Beitrag: #2
RE: Wenn Glück nicht glücklich macht....
Dazu fiel mir auch gleich der Spruch ein: "Ist der Kuh zu wohl, geht sie aufs Eis."

Das würde die Theorie durchaus auch ncoh untermauern.

Allerdings glaube ich, dass auch viel die familiäre Prägung mit beeinflusst, ob ob ich eher glücklich und zufrieden bin oder eben mehr auf die negativen (noch "fehlenden")Dinge gucke.

Und ein Stück weit ist das auch trainierbar.
Das hab ich in meiner ersten Therapie gelernt. *klugscheissermoduswiederaus* biggrin.gif

Vertraue dir selbst. Du weißt mehr, als du ahnst!
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18.05.2019, 08:08
Beitrag: #3
RE: Wenn Glück nicht glücklich macht....
Danke für's Einstellen hier, Paulinchen. Es hat mich beschäftigt die letzten Tage.

Glück ist für mich ein großes Wort. Mir "reicht" inzwischen Zufriedenheit. Vielleicht weil das beständiger ist. Glücksmomente gibt es und die kommen und gehen, sind wie Funken. Hab auch den Eindruck, die kann ich nicht "machen", sondern die passieren. Wobei ich natürlich da auch mit beteiligt bin, den "Boden zu beackern", damit sie passieren können überhaupt.

Vieles kann ich unterschreiben in dem Text. Auf jeden Fall. Merke es doch ständig in meinem Leben, in meinem Alltag. An ganz "einfachen" Sachen. War es für mich Ostersonntag schon "Glück", dass ich mich überhaupt wieder bewegen konnte, wenn auch mit Schmerzen. Nach ein paar Tagen, wenn Besserung eintritt, dann ist sogar Schmerzfreiheit schon wieder selbstverständlich.
Kommt also auch immer drauf an, von "wo" ich grad komme. Für meine Kollegin ist grad schon Glück, wenn sie nen Tag ohne Übelkeit hat, für jeden anderen ist das selbstverständlich und kein Grund, es überhaupt wahrzunehmen.

Dass die Gene da 50% ausmachen, kommt mir etwas viel vor. Irgendwie bin ich überzeugt davon, dass da jeder Mensch alle Möglichkeiten hat. Aber vielleicht haben die mit "belasteten Genen" es nur ein wenig schwerer, was nicht heißt, dass ihnen nicht alle Wege offen stehen.

Mir tut der Satz gut: Ich b-i-n meine Gedanken. Und auf Dauer beeinflussen Gedanken auch Gefühle. Das macht mich handlungsfähig, immer wieder aufs Neue, sozusagen jeden Augenblick.

Einfacher wär's natürlich, ich könnte mich auf eine Blumenwiese setzen und "Glück" wurde von allen Seiten auf mich herabregnen, freundliche und wohlmeinende Menschen würden mich damit "beschütten" kicher

Naja, für mich ist auch Glück, dass ich viel Humor hab und über mich selbst schmunzeln kann ;-)
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 Danke sagen: Maroe , Paulinchen , Biggi , tina , Toasty , rainy
18.05.2019, 21:26
Beitrag: #4
RE: Wenn Glück nicht glücklich macht....
(18.05.2019 08:08)Dipama schrieb:  Einfacher wär's natürlich, ich könnte mich auf eine Blumenwiese setzen und "Glück" wurde von allen Seiten auf mich herabregnen, freundliche und wohlmeinende Menschen würden mich damit "beschütten" kicher

Was für eine schöne Vorstellung! herz

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 Danke sagen: Dipama , Paulinchen , Biggi , rainy
19.05.2019, 07:38
Beitrag: #5
RE: Wenn Glück nicht glücklich macht....
Aber .... auch das wäre nur ein Moment, den man nicht festhalten kann.

Da ist es wieder, dass 'aber' .... oh je

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19.05.2019, 08:38
Beitrag: #6
RE: Wenn Glück nicht glücklich macht....
Warum willst du es festhalten, Paulinchen? Es wäre langweilig. Da wär kein Platz für "neues Glück". Lebendig sein bedeutet Bewegung. Die Angst, dass ein "glücklicher Zustand" vergehen wird, läutet schon sein Ende ein....
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 Danke sagen: Maroe , Paulinchen , rainy , Toasty , Biggi , tina
19.05.2019, 20:23 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.05.2019 20:26 von tina.)
Beitrag: #7
RE: Wenn Glück nicht glücklich macht....
Zitat:Lebendig sein bedeutet Bewegung
absolut!!

ich würde glück nun auch nicht mit einem lottogewinn gleichsetzen. im gegenteil. da hätte ich eher sorge, dass mir das alles durcheinanderbringt und mehr probleme macht als gutes bringt.

glück sind für mich die kleinen dinge, die kleinen schönen momente.
für mich zb. oft, wenn ich auf einem meiner räder sitze, musik im ohr habe, wind auf der haut, den sonnenuntergang vor mir und weiss, ich darf noch eine stunde fahren :))).
glück ist auch, die momente überhaupt sehen und empfinden zu können, sich dran freuen können, das leben möglichst positiv zu sehen. das ist ein wahnsinns geschenk.

speichern kann ich das gefühl "glück", ich weiss wie es sich anfühlt, und speichern kann ich auch, so kann ich mir das vllt jetzt holen. aber auf knopf druck abrufen geht nicht, dann wäre es wahrscheinlich auch schon wieder wertlos.
und es ist nichts ohne gegenstück. mal traurig sein, mal ängstlich, mal verzagt. das gehört glaube ich einfach zum großen runden ganzen.

ich denke schon auch, da ist ein guter teil vererbt. meine beiden söhne sind komplett unterschiedlich, josh ist wunschlos glücklich und levin grundlos unzufrieden. aber ich glaube und hoffe sehr, dass man sich mit reflektion und strategien dahin arbeiten kann. für die levins - von allem für meinen ;)

tina Katze
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 Danke sagen: Dipama , Toasty , Maroe , Paulinchen , rainy
20.05.2019, 10:45
Beitrag: #8
RE: Wenn Glück nicht glücklich macht....
Guck mal Paulinchen, vielleicht solltest diese Strategie mal wieder ein bisschen verfolgen. Das war sogar deine Idee damals und ich fand die so toll, dass ich das auch eine Zeitlang gemacht habe! herz

http://www.seelenbunt.net/forum/showthre...ight=Perle

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 Danke sagen: Dipama , Paulinchen , rainy
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